Generika: Für ein leistbares Gesundheitssystem und einen starken Wirtschaftsstandort

  • Generika senken die Behandlungskosten um 65 %
  • 49 % aller Verordnungen im patentfreien Markt sind Nachfolgepräparate. Jedes weitere Prozent Generika-Verordnung spart 4 Mio. Euro für andere Therapien
  • Wirtschaftsmotor Generika: Heimische Generika-Produktion trägt 3,1 Milliarden Euro zum BIP bei

Wien, 31. August 2018. Durch Generika können mehr Menschen bei gleichbleibender Qualität versorgt werden. Die Nachfolge-Arzneimittel senken die Behandlungskosten um 65 % und helfen somit, den breiten Zugang zu innovativen Therapien zu sichern. In Österreich sind aktuell 49 % aller Verordnungen im patentfreien Markt Generika. Österreich liegt mit dem Anteil der Nachfolgepräparate damit im internationalen Vergleich nur im unteren Mittelfeld. Hier liegt noch großes Potenzial, denn jedes weitere Prozent Generika-Verordnung spart 4 Mio. Euro für andere Therapien.

Generikaförderung auf allen Ebenen

Die alternde Bevölkerung stellt unser Gesundheitssystem vor große Herausforderungen: durch den medizinischen Fortschritt wird es mehr kranke und pflegebedürftige Menschen geben. Die Gesundheitsversorgung muss dabei finanzierbar bleiben. Generikaförderung auf allen Ebenen (Ärzte, Krankenhäuser, Patienten und Apotheken) ist deshalb eine wichtige Maßnahme, damit auch in Zukunft eine nachhaltige Versorgung aller Patienten mit Arzneimitteln gewährleistet werden kann.

„Eine ökonomische Verschreibweise ist wichtig für die Finanzierbarkeit unseres Gesundheitssystems: Denn Generika schaffen Freiräume für die Therapieentscheidung des Arztes, sie sichern den Zugang von Patienten zu moderner Medizin und sie helfen den Krankenkassen und damit auch der Gesellschaft, unser Gesundheitssystem auch weiterhin zu finanzieren.“, ist Dr. Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbandes, überzeugt.

Patienten müssen ausreichend über Generika informiert und aufgeklärt werden, denn informierte Patienten zeigen eine bessere Therapietreue und sind auch eher bereit, sich Generika verordnen zu lassen. Neben dem Arzt nehmen auch die Apotheker einen wichtigen Stellenwert als Ansprechpartner und Vertrauensperson für Patienten ein. „Für die nötige Therapietreue ist „Aufklärung“ das große Thema. Patienten, aber auch Ärzte und Apotheker müssen wissen, was Generika genau sind, wie streng sie getestet werden und vor allem, dass sie gleich wirksam und sicher sind, wie das Original.“, so DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche, verfahrensführendes Mitglied im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).

Wichtig für Gesellschaft und Wirtschaftsstandort

Generika stehen für die meisten chronischen Volkskrankheiten zur Verfügung. So sind etwa 48 % aller Verordnungen bei Herz-, und Kreislauferkrankungen generische Arzneimittel. Die Generika-Hersteller sind zudem ein wichtiger Wirtschaftsmotor für Österreich: rund 285 Millionen Generika-Packungen werden jährlich in Österreich produziert, davon über 90 % exportiert. Fast 90 Millionen verkaufte Arzneimittel-Packungen in Österreich sind Nachfolgepräparate. Die heimische Generika-Produktion trägt so 3,1 Milliarden Euro zum BIP bei.

Faires & wettbewerbsförderndes Marktumfeld ist essentiell

Auch die politischen Rahmenbedingungen müssen dem Rechnung tragen. Ab 2019 nimmt der Marktwert der frei werdenden Patente und damit das Einsparungspotenzial für das österreichische Gesundheitssystem wieder deutlich zu. Im Plan der Bundesregierung, auf zusätzliche Anreize für die Verschreibung von Generika zu setzen, sieht auch Andiel einen guten Ansatz. Zusätzlich muss die Gesundheitskompetenz der Öffentlichkeit mit entsprechenden Maßnahmen gefördert werden. Einseitige und überschießende rechtliche Regulierungsmaßnahmen schaden allerdings langfristig einer nachhaltigen Nutzung des Einsparungspotenzials von Generika. Nur in einem fairen, wettbewerbsfördernden und planbaren Marktumfeld kann das Gesundheitssystem in Österreich durch effiziente Generikanutzung finanziell entlastet werden.

Generika als Innovationstreiber

Generika sind zudem wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Innovationszyklus. „Mehr Generika bedeutet zwar, dass weniger Gewinn mit patentabgelaufenen Präparaten erzielt wird. Das heißt aber nicht, dass deshalb weniger Geld in die Forschung gesteckt wird. Das Gegenteil ist der Fall: Insbesondere in Ländern mit hohem Generikaanteil wird besonders intensiv geforscht.“, so Andiel. Generika befeuern den Wettbewerb. Um am Markt zu bestehen, müssen Unternehmen verstärkt in Forschung und Entwicklung von neuen, innovativen Arzneimitteln investieren.

Generika nehmen damit eine wichtige Rolle im Innovationszyklus ein – als Wettbewerbstreiber fördern sie einerseits den Innovationsdruck und machen andererseits finanzielle Mittel, für neue und innovative Therapien frei. Diese Potenziale müssen gefördert und voll ausgeschöpft werden. Für ein Gesundheitssystem, dass auch für die nächsten Generationen noch leistbar bleibt und einen starken Wirtschaftsstandort.

Die OeGV speaker’s lounge

Am 30. August diskutierten bei der OeGV speaker’s lounge des Österreichischen Generikaverbandes unter dem Titel „Generika & Innovation – Widerspruch oder Symbiose“ Experten aus Behörde, Medizin, Sozialversicherung und Patientenanwaltschaft unter anderem darüber, wie Generika therapeutische Innovationen fördern können, welche Rahmenbedingungen Generikaförderung braucht, und wie Generika eine nachhaltige Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleisten können. Im Podium vertreten waren Christa Wirthumer-Hoche (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen), Franz Kiesl (Oberösterreichische Gebietskrankenkasse), Manfred Maier (AM PLUS), Markus Zeitlinger (Medizinische Universität Wien), Sigrid Pilz (Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft) sowie Wolfgang Andiel (Österreichischer Generikaverband).